Freitag, 22. Oktober 2010
Milchproduktion folgt der Quote - zumindest in Deutschland
Milchproduktion folgt der Quote - zumindest in Deutschland
Um den europäischen Milchproduzenten eine „sanfte Landung“ nach dem Quotenausstieg 2015 zu ermöglichen, muss der Mengen- und Preisdruck weiter aus dem Milchmarkt genommen werden.
Mit diesen Worten hat Brigitte Misonne von der Generaldirektion Landwirtschaft der Europäischen Kommission die Ziele der EU-Milchpolitik auf dem Forum Milch des 5. Eliteforum Landwirtschaft der Deutschen Kreditbank (DKB) vergangene Woche in Liebenberg beschrieben. Schon im Wirtschaftsjahr 2009/10 sei die europäische Milchproduktion nach der Quotenaufstockung mit einer Untererfüllung von 7 % eher auf den Markt als auf die Quote ausgerichtet gewesen, erklärte Misonne. Deutschlands Produktion orientiere sich dagegen noch stark an der Höchstmenge. Misonne unterstrich die Empfehlungen der hochrangigen Expertengruppe Milch, Vertragsbeziehungen zwischen Landwirten und Molkereien stärker zu verbreiten und gegebenenfalls verbindlich zu machen. Schon bestehende und neue Verträge sollten stärker genutzt werden, um bei Erzeugern ein Bewusstsein für Qualität und Menge zu fördern, so Misonne. Schlüsselaspekte in den Kontrakten sollten neben Preis und Liefermenge auch Lieferhäufigkeit und Vertragsdauer sein. Die Ausgestaltung der Verträge werde die EU an die Mitgliedstaaten geben. Stimmen aus dem Auditorium warnten vor zu genauen Vorgaben aus Brüssel oder Berlin, die die Ausgestaltung für beide Vertragspartner stark einschränkten. Zudem könnten feste Preise statt Preisformeln dazu führen, dass die Preise zur Risikovermeidung insgesamt niedriger angesetzt würden.
Globale Nachfrage steigt
Der Milchreferent des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Reinhard Schoch, bestätigte, die aufgestockte Quote sei in Deutschland von einer gestiegenen Produktion aufgefüllt worden. Von April bis August dieses Jahres lag die Ausnutzung demnach bei 99,6 %. In Deutschland, Frankreich wie auch in Großbritannien lägen die Milchmengen bisher deutlich über den entsprechenden Vorjahresmengen. Die Preise seien im EU-Durchschnitt wie auch weltweit relativ hoch. Da die Nachfrage nach Milchprodukten global steige, seien bis Ende 2011, solange keine Naturkatastrophen die Situation dramatisch veränderten, Preise zwischen 0,28 Euro und 0,29 Euro in Deutschland möglich, prognostizierte Schoch. Der DBV-Referent betonte, Verträge und Preise müssten am Markt ausgerichtet sein. Während die Anbieterseite sehr transparent sei, treffe das nicht auf die Nachfrageseite zu. Vor allem im Bereich der Industrie und des Lebensmitteleinzelhandels müssten Informationslücken geschlossen werden. Der Vizepräsident des Landesbauernverbandes (LBV) Mecklenburg-Vorpommern, Hans-Heinrich Rave, betonte, die Sektoruntersuchung Milch des Bundeskartellamtes habe deutlich gezeigt, dass es zuviel Markttransparenz zu Lasten der Erzeuger gebe und der Lebensmitteleinzelhandels (LEH) anscheinend die Ängste einiger Produzenten ausnutze.
Potentiale der Genossenschaften
Prof. Ludwig Theuvsen von der Universität Göttingen verglich die Strategien und den Erfolg von Genossenschafts- und Privat-Molkereien. Er riet dazu, die Bedeutung der Rechtsform für den Erfolg eines Unternehmens nicht zu überschätzen. Beide hätten Stärken und Schwächen. Bei der Rechtsform handele es sich nur um einen Einflussfaktor unter vielen. Entscheidend seien Managementqualität, Strategien und Innovationsfähigkeit. Bei Großgenossenschaften würden außerdem die operativen Geschäfte zunehmend ausgelagert. Diese „Farmer owned businesses“ seien meistens als GmbH aufgestellt und übernähmen das Tagesgeschäft. Somit könnten Nachteile der traditionellen Genossenschaften ausgeglichen werden. Die Entwicklung großer Genossenschaften von Arla und Friesland-Campina zeigten die Potentiale auf. Hier hätten früh Auslagerungen stattgefunden und seien Strategien sowie Innovationen entwickelt worden. Stefan Müller, Geschäftsführer der Unterrnehmensgruppe Theo Müller, benannte aus seiner Sicht Erfolgsfaktoren für Privatmolkereien. Unter anderem könnten sie Gewinne in neue Marken oder neue Technologien reinvestieren und müssten ihre Dividende nicht an Genossenschaftsmitglieder ausschütten. Gerade Produktinnovationen wie Jogurt-mit-der-Ecke oder Froop gehörten zu den größten Erfolgen der Unternehmensgruppe. Außerdem gebe es in Familienunternehmen keine Gremienstrukturen; somit seien Entscheidungen schneller zu fällen.
Freitag, 22. Oktober 2010
FDP kritisiert EU-Reformpläne
FDP kritisiert EU-Reformpläne
In der FDP sorgt das bekanntgewordene Diskussionspapier der EU-Kommission über eine Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) für erheblichen Unmut.
Die agrarpolitische Sprecherin der liberalen Bundestagsfraktion, Dr. Christel Happach-Kasan, zeigte sich nach einem Besuch ihrer Arbeitsgruppe bei der Generaldirektion Landwirtschaft und Ländliche Entwicklung vergangene Woche in Brüssel enttäuscht, wie wenig das deutsch-französische Papier zur GAP nach 2013 Eingang in die Kommissionsüberlegungen gefunden habe. „Die Notwendigkeit einer weiteren Marktorientierung der Landwirtschaft wird völlig verkannt“, kritisierte die schleswig-holsteinische Abgeordnete nach ihrer Rückkehr aus der belgischen Hauptstadt. Gleichzeitig werde der Rolle der europäischen Landwirtschaft für die Sicherung der Welternährung nicht Rechnung getragen. Offenbar sei es Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner bislang nicht gelungen, diese Grundanliegen gegenüber der Brüsseler Administration hinreichend deutlich zu machen. Umso wichtiger sei, dies in den anstehenden Verhandlungen nachzuholen, so die FDP-Politikerin.
Verheerendes Signal
Fraktionskollege Hans-Michael Goldmann warnt gar vor einem Paradigmenwechsel in der europäischen Agrarpolitik. „Die Vorstellungen der EU-Kommission für eine Ökologisierung der Ersten Säule widersprechen der bisherigen Philosophie der Gemeinsamen Agrarpolitik“, sagte der Vorsitzende des Bundestagsernährungsausschusses. Der FDP-Politiker sprach von einem „verheerenden Signal für die unternehmerische Landwirtschaft und die künftige Ausrichtung des europäischen Agrarsektors“, das von dem Kommissionspapier ausgehe: „Während sich wichtige Agrarländer auf weltweit wachsende Märkte einstellen, verfolgen die Europäer das Ziel, ihre Direktzahlungen grüner zu machen.“ Damit werde zugleich der falsche Eindruck erweckt, die Direktzahlungen hätten bislang keinerlei Bezug zu Umwelt- und Naturschutz oder zur Lebensmittelsicherheit. Gerade Deutschland nehme mit der Entkopplung und dem Gleitflug in die regional einheitliche Flächenprämie bis 2013 eine Vorreiterrolle ein. Dies werde jedoch in dem Kommissionspapier in keinster Weise anerkannt.
Keine unverbindliche Diskussionsgrundlage
Mit Nachdruck warnt Goldmann vor einer weiteren Bürokratisierung der Agrarförderung, die mit einer Sonderprämie für bestimmte grüne Dienstleistungen zwangsläufig einhergehe. Der FDP-Politiker widerspricht zugleich der Einschätzung, bei dem bekanntgewordenen Kommissionspapier handle es sich lediglich um eine weitgehend unverbindliche Diskussionsgrundlage: „Wer genau hinschaut, wird feststellen, dass in der bevorzugten Option die unterschiedlichen Interessen der Mitgliedstaaten sehr genau austariert sind.“ Offenbar sei die Generaldirektion Landwirtschaft der Auffassung, nur mit der vorgeschlagenen Ökologisierung der Ersten Säule lasse sich das Agrarbudget in seinem bisherigen Volumen verteidigen. Hier werde der Einfluss der Generaldirektion Umwelt ebenso deutlich wie der von Umweltverbänden, „die in den Dienststellen der Brüsseler Kommission ein- und ausgehen“. Zudem hält der FDP-Politiker die Hoffnung für trügerisch, das Europaparlament werde seinen gestiegenen Einfluss nutzen, um Korrekturen im Sinne einer marktorientierten Landwirtschaft vorzunehmen. Wer sich die bisherigen Diskussionen innerhalb der Fraktionen anschaue, werde eines Besseren belehrt. Goldmann kündigte intensive Debatten im Ernährungsausschuss über die künftige Ausrichtung der EU-Agrarpolitik an. Nur mit erheblichem politischen Druck werde es gelingen, falsche Weichenstellungen doch noch abzuwenden.
Dienstag, 19. Oktober 2010
DBV: Ministerpräsidenten dürfen nicht überziehen
DBV: Ministerpräsidenten dürfen nicht überziehen
Der Deutsche Bauernverband (DBV) hat sich für die neue haushaltsbezogene Rundfundgebühr ausgesprochen, jedoch zusätzliche Gebühren für die Unternehmen für nicht-private PKWs, Ferienwohnungen und Hotelzimmer scharf kritisiert. Für den DBV ist es nicht akzeptabel, wenn durchaus gute Grundsätze zur Entbürokratisierung und Vereinfachung bei der Gebührenerhebung nun offenbar wieder zerredet werden. Zusammen mit 19 anderen Verbänden der Wirtschaft hat der DBV den Vorschlag mitgetragen, von geräteabhängigen Rundfunkgebühren überzugehen auf haushaltsbezogene. Eigentlich müsste eine solche Reform dazu führen, die Wirtschaft insgesamt von Rundfunkgebühren freizustellen. Doch diskutieren die Ministerpräsidenten und Rundfunkreferenten der Bundesländer darüber, den wirtschaftlichen Unternehmen jetzt zusätzliche Gebühren zur verwaltungseinfachen unternehmensbezogenen Gebühr aufzubürden. Das würde bedeuten, dass jeder Traktor oder Mähdrescher mit Radio und jedes Fremdenzimmer in der Landwirtschaft einzelgebührenpflichtig gemacht würde.
Der Deutsche Bauernverband fordert deshalb die Ministerpräsidenten der Bundesländer nachdrücklich auf, für Verbraucher wie Wirtschaft verwaltungseinfache Pauschalzahlungen festzulegen. Es wäre eigentlich auch ein richtiges Zeichen, die Rundfunkgebühren zumindest für fünf Jahre einzufrieren.
Denn in Zeiten allgemeiner Sparhaushalte müssen sich die Entscheidungsträger für die Finanzierung der öffentlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten auch daran messen lassen, wie sie dazu beitragen, Lasten für Verbraucher wie Wirtschaft zu senken. Gerade diejenigen Mitbürger und Unternehmen, die die Vorzüge eines öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems sehen und mittragen, legen Wert darauf, dass in der jetzigen Debatte über die Höhe der Rundfunkgebühren zunächst einmal darüber gesprochen wird, ob beim derzeitigen Gebührenaufkommen alle Einsparungspotenziale in den Sendern ausgeschöpft werden.






